Herstellung klassischer Reliefs

landschaftsmodelle - gebirgsreliefs                                                    wolfgang pusch 

.

.

 

 

 

 

 

 

 

Montage der gesägten Sperrholzplatten zum Rohmodell

 

Ein Rohmodell aus montiertem Sperrholz und der daraus entstehende homogene Gipsabguss

_______________________________________________________

 

 

Aus dem Gipsabguss des Rohmodells wird die Topographie geschnitzt. Es entsteht das Feinmodell des Reliefs, von dem eine Form für weitere Abgüsse erstellt wird.

Ein Gipsabguss eines mittels Rapid-Prototyping-Verfahren erstellten Reliefs, der im Bereich links der roten Linie mit Hand nach klassischer Art des Reliefbaus nachgeschnitzt wurde. Im unbearbeiteten Teil sieht man trotz einer Auflösung des Druckers von 0.15 mm deultich die Bearbeitungsspuren der Maschine.

_______________________________________________________

 

Bemalung eines Abgusses des Feinmodells.

Für weiter gehende Fragen interessierter Hobby-Reliefbauer stehe ich gern zur Verfügung:    info@bergmodelle.de

Sehr zu empfehlen ist das derzeitige Standardwerk zu Reliefbau:

  Toni Mair, Susanne Grieder:

  Das Landschaftsrelief
  Symbiose von Wissenschaft und Kunsthandwerk,

  Verlag hier + jetzt
  1. Auflage 2006;

  ISBN-13: 978-3039190379

 
 

 

Herstellung klassischer Reliefs

Die Herstellung der Reliefs folgt der Tradition des klassischen Reliefbaus, der sich als Kunsthandwerk versteht und mittlerweile auf eine über 100jährige Tradition zurückblicken kann (Siehe auch Geschichte des Reliefbaus).

Daher werden die Reliefs dieser Seite auch durchweg in Handarbeit gefertigt, von den Planungsarbeiten am Computer abgesehen.

Zum einen , weil bis heute keine vollautomatisierte Fertigung die gewünschten Resultate liefern kann, darüber hinaus auch aus prinzipiellen Gründen (siehe auch Philosophie des Reliefbaus).


 

I.  Planung

Nach der Entscheidung, welcher Berg denn als Modell erstellt werden soll, beginnt das Austüfteln der wichtigen Parameter Maßstab und sinnvolle Abmessung des Reliefs.

Aus dem festgelegten Maßstab und den gewünschten Abmessungen, die das Relief erhalten soll  (meist vorgegeben durch die »Konfektionsgrößen«  der Möbelindustrie, das Relief soll schließlich auf`s Regal passen), ergibt sich die Fläche, die abgebildet werden kann.

Die jeweils oft völlig unterschiedlichen Ausmaße jedes individuellen Berges erfordern hier eine gründliche Überlegung, wo die Grenzen des Reliefs festgelegt werden sollen. Trifft man bereits hier eine falsche Entscheidung, kann das gesamte Erscheinungsbild des Reliefs später gestört sein.

In dieser Arbeitsphase hilft heutige Visualisierungssoftware für Digitale Geländemodelle durchaus, weil man dort das Aussehen des Reliefs schon simulieren kann.

 

II.  Rohmodell

Für das Erstellen des Rohmodells könnte man prinzipiell auf eine maschinelle Fertigung mittels Fräsen oder 3D-Druck zurückgreifen. Der Aufwand, die richtigen Daten im richtige Format von der richtigen Firma entsprechend »drucken« zu lassen ist jedoch nach wie vor erheblich und auch finanziell nicht günstiger, als das klassische Verfahren:  Die Höhenlinien werden aus einer der Äquidistanz (der vertikale Abstand der Höhenschichten) entsprechenden Sperrholzplatte ausgesägt und die einzelnen Schichten montiert.

Es entsteht ein sogenanntes »Treppenstufenrelief«, das die Topographie der Region je nach gewählter Äquidistanz bereits gut abbildet. Die entscheidenden Strukturen im Gelände, nämlich Oberflächenformen von Fels, Geröll und Schutt, Gletschern, Wald und Siedlungen sind in einem solchen Treppenstufenmodell natürlich noch nicht enthalten. Sie verleihen der Landschaft aber erst ihr charakteristisches Aussehen.

Das Rohmodell muss also weiterverarbeitet werden und dazu aus einem geeigneten Material bestehen. Vom dem Rohmodell aus Sperrholz wird daher ein Abguss aus homogenem Gips erstellt. Gips bleibt auch in Zeiten hunderter Modellier- und sonstigen Materialien der chemischen Industrie nach wie vor der beste Werkstoff. Aus dem homogenen Gips lässt sich die Topographie bestens herausschnitzen.

Das bloße Überspachteln des Sperrholzmodells mit Gips führt dabei nicht zum Ziel, denn beim Schnitzen wird man ständig auf das störende Sperrholz treffen.

.

.

.

III.  Feinmodell (Original)

Als Vorlage zum Schnitzen sind möglichst stereoskopisch (räumlich zu betrachtende) Fotos notwendig, andernfalls weitere Fotos des Gebiets, möglichst zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. Eine gute topographische Karte ist ebenfalls unentbehrlich.

Mit einem Sortiment an guten Schnitzwerkzeugen lassen sich sämtliche Oberflächenformen mit einiger Übung gestalten.

Während alle bisherigen Arbeitsschritte eher technischer Natur sind und von jedem mit dem entsprechenden Wissen ohne Probleme ausgeführt werden können, erfordert nun das Schnitzen handwerkliches Talent, einige hundert Stunden Erfahrung sowie die Fähigkeit, die Topographie aus den vorliegenden Bildern herauslesen und umsetzen zu können.

Nicht alle Geländeformen werden geschnitzt: Gletscher z.B. werden mit einer Spachtelmasse aufmodelliert.

Wald muss ab einem Maßstab von 1:50.000 plastisch dargestellt werden, dies geschieht wirkungsvoll durch das Aufleimen von Sand.

Gebäude oder ähnliche Infrastruktur sollte ab einem Maßstab von 1:25.000 plastisch gestaltet werden, dies geschieht mit entsprechend zugeschnittenen Polysterol-Würfeln.

Das Schnitzen ist der entscheidende Arbeitsschritt, durch den das Relief schließlich bis ins Detail die widerzugebende Landschaft abbildet. Bei diesem Arbeitsschritt zeigt sich auch der Unterschied zum Maschinell erstellten Relief.

Das Feinmodell ist auch das Original, wenn keine weiteren Reliefs dieses Typs erstellt werden sollen. Dann lässt sich bereits das Feinmodell bemalen und die Obefläche abschließend bearbeiten.


Will man jedoch weitere gleichartige Reliefs herstellen, muss aus dem Feinmodell eine Abgußform aus Silikon hergestellt werden.

Aus Silikonformen lassen sich fast beliebig viele Abgüsse des Originals fertigen.

.

..

.

.

IV.  Bemalung / Finish

Jeder Abguß wird einzelnd bemalt. Auch dieser Arbeitsgang lässt sich nicht ohne Qualitätseinbußen automatisieren.

Neben dem Schnitzen erfordert auch die Bemalung eines Reliefs viel Erfahrung und Übung. Am Original entstehen die Farbeindrücke einer Landschaft durch das Zusammenspiel unendlich vieler Einzelfarben, die das Auge nicht mehr auflösen kann.

Im Relief kann man den Effekt einer aus mehreren hundert Metern betrachteten Blumenwiese mit tausenden Einzelblumen nicht dadurch erreichen, dass man jede Blume maßstabsgetreu mit einigen Picolitern Farbe aufträgt.

Weitere Detaileffekte, wie eine teilweise beschneite oder vereiste Felswand oder das Glänzen von Wasser- und Eisoberflächen werden im Finish erreicht, bevor das Relief in den Rahmen montiert werden kann.

 

WISSENSWERTES

Philosophie des Reliefbaus

Geschichte des Reliefbaus

Herstellung

Links

Literatur