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Baut Berg-Reliefs und hat sich die letzten sechs
Jahre dem Watzmann verschrieben: Autor und Bergführer Wolfgang
Pusch. |
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Wie lange hat der Watzmann Sie schon im Griff? Wolfgang
Pusch: Ich habe mich sechs Jahre damit intensiv beschäftigt, bis das Buch
fertig war. Es sollte kein Bildband werden, sondern wirklich eine
Monografie mit populärwissenschaftlichem Charakter. Ähnlich meinen Büchern
über den Großglockner oder den Ortler.
Die Watzmannsage
fehlt. Pusch: Mir war bewusst, dass die Sage schon alle kennen. Das
haben wir als bekannt vorausgesetzt.
Es ist ja auch nicht das erste
Watzmann-Buch. Pusch: Nein, aber beispielsweise das Standardwerk von
Höfler und Zembsch ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Da war es
Zeit für etwas Neues über den Watzmann.
Wie würden Sie den
Watzmann beschreiben? Pusch: Trotz seiner geringen Höhe, im Vergleich
zu anderen berühmten Bergen, ist der Watzmann einmalig in Gestalt und
Geschichte. Allein der Aufbau und seine Doppelsilhouette sind etwas
Besonderes.
Woher kommt der Name? Haben Sie dazu etwas
herausgefunden? Pusch: Es gibt die Erklärung, dass der Name je nach
Dialekt von waz, wass oder wax stammt, was soviel wie scharf oder rau
bedeutet. Als Eigenname kommt Watzmann bereits in Salzburger Urkunden des
8. und 12. Jahrhunderts vor. Er besitzt somit einen der ältesten
für einen Alpenberg nachgewiesenen Eigennamen. Und das war lange bevor
die Alpinisten kamen, er muss also den Menschen schon früh aufgefallen
sein.
Sie beschreiben die wichtigsten
Watzmann-Alpinisten. Um das Jahr der Erstbesteigung wurde ja lange
gestritten. Pusch: Es gibt einen Bericht, den Valentin Stanic
über eine Exkursion auf den Hohen Göll schrieb. Darin stellt er seine
Großglockner-Besteigung aus dem Jahr 1800 eindeutig in Relation zu dem
»gegen Süden liegenden höheren Spiz« des Watzmanns. Daraus ergibt sich,
dass Stanic den Watzmann erstmals in der ersten Augustwoche 1800
bezwang.
Es gibt in Ihrem Buch neben Bildern aus ungewöhnlichen
Perspektiven auch viele Karten und Reliefs. Pusch: Karten sind
sehr aussagekräftig. Ich wollte damit auch anregen, sich über ein Thema
besser zu informieren. Viele Leute fahren über den Königssee und sind dann
überrascht, dass sie den Watzmann sehen. Das erstaunt mich schon, wie
»blind« man durch die Welt laufen kann. Auf den Schwarz-Weiß-Reliefs, die
sich im Buch finden, kommen geografische Besonderheiten besser heraus als
auf Farbfotos. Sie sehen da, dass der Kleine Watzmann ein vorgelagerter
Einzelgipfel ist und nicht in den großen Watzmann eingebettet.
Geht
der Kleine Watzmann nicht allgemein etwas unter? Pusch: Der Weg über
den Kleinen Watzmann ist viel schöner als andere Routen, und die Westwand
am Kleinen Watzmann bietet außerdem überhaupt die spannendsten
Kletterrouten. Der Gesamteindruck wäre ohne den Kleinen Watzmann längst
nicht derselbe. Erst der Kleine gibt dem ganzen Berg den
Pfiff. Die Watzmann-Fotos haben Sie zum Großteil selbst
geschossen. Pusch: Ich wollte das selbst machen. Und nicht zum 100. Mal
das bekannte Foto von der Kneifelspitze. Dann schon eher die Südostflanke
des Watzmanns von den Hachelköpfen aus, das kennt man weniger. Auf dem
Titelbild sieht man den Mond ganz tief hinter der Paradeansicht des
Watzmanns untergehen. Das kann man nur alle 18 Jahre so festhalten, wenn
die Neigung der Mondbahn sich zur Neigung der Ekliptik addiert. Und dann
muss für das Foto der Mond noch bei gleichzeitigem Sonnenaufgang
untergehen - bei schönem Wetter.
Sie bauen Reliefs von
Bergen. Das klingt ein bisschen altmodisch in Zeiten von Google-Earth und
dreidimensionalen Darstellungen am Computer. Pusch: Eine
Computerdarstellung hat niemals das Flair eines gut beleuchteten Reliefs.
Ich bin ein Verfechter des Reliefbaus und hier, das zeigt mir die
Nachfrage nach meinen Modellen, liegen noch einige
Chancen.
Wer kauft Ihre Reliefs? Pusch: Privatpersonen.
Die gehen überall nach Deutschland. Hauptsächlich sind die Kunden dort, wo
man die Alpen nicht mehr sieht.
Eine Darstellung zeigt den Watzmann
vor 11 000 Jahren. Warum diese Zeitreise? Pusch: Damals kalbte der
Eisbachgletscher in den Königssee, die Halbinsel St. Bartholomä entstand
erst danach. Berge sind nicht so unverrückbar, wie wir Alpinisten meinen.
Die heutige Form des Watzmanns ist vor allem das Ergebnis von Erosion. Der
Watzmann hat sich in seiner markanten Form nicht so emporgehoben, sondern
ist nur der Rest weit größerer, abgetragener Strukturen. Der Watzmann
dürfte heute seine »höchsten Tage« hinter sich haben. Der Gipfelgrat wird
niedriger werden und sich nach Osten verschieben. Die Südspitze dürfte
vielleicht in wenigen zehntausend Jahren höher sein als die dann
abgetragene Mittelspitze. Und in einigen Millionen Jahren wird der Kleine
Watzmann in den Königssee gebröselt sein.
In den 1960er
Jahren wollte man eine Seilbahn ins Watzmannkar bauen. Was sagen Sie aus
heutiger Sicht dazu? Pusch: Es ist gut, dass es den Nationalpark gibt.
Ich will niemandem den Zugang zu den Bergen verwehren, aber es entsteht
Ärger, wenn Leute auf den Skipisten nur Spaß suchen und gar nicht mehr
wissen, wo sie eigentlich sind. Gut, dass es nicht so kam. Es soll ein
gewisser Respekt vor der Schöpfung bestehen bleiben, gerade bei solchen
Bergen wie dem Watzmann. Berge sind oft die Grundlage für eine andere
Sicht auf die Dinge.
Sind Bergtouren ein kalkulierbares
Risiko? Pusch: Ja. Es bleibt ein Restrisiko, doch das kann man vor
allem durch Ausbildung und Ausrüstung minimieren. 80 Prozent der Unfälle
passieren, weil die Leute nicht vorbereitet sind.Dr. Iris
Melcher |